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Jugendstil in Wuppertal

Um 1900 wird im Wuppertal eine kühne Vision Wirklichkeit, eine elektrische Hochbahn über den Fluss, eine Schwebebahn, eine großartige Pionierleistung, eine geniale und zukunftweisende Lösung für den Personenverkehr im engen Tal der Wupper.

Ein Glück, dass bei der Generalüberholung der Schwebebahn bis zum Jahr 2015, die auch eine zeitgemäße Neugestaltung der meisten Bahnhöfe beinhaltete, zumindest drei historische Jugendstilbahnhöfe restauriert wurden. So präsentieren sich heute die Stationen Werther Brücke, Völklinger Straße und Landgericht im schönsten geometrischen Jugendstil.

Wuppertal ist aber nicht nur die Stadt der Schwebebahn. Die Großstadt mit ca. 355 000 Einwohnern im engen Tal der Wupper überrascht in all ihrer urbanen Alltäglichkeit ganz augenfällig mit ihrem üppigen Grün. Zu den bewaldeten Wupperbergen, die die Stadt umgeben, gesellen sich an den Süd-und Nordhängen ausgedehnte historische Parks wie der Wuppertaler Zoologische Garten, die Hardthöhen, die Barmer Anlagen oder die jüngste Parkanlage, der Skulpturenpark von Tony Cragg.

Stadttheater, Barmen, 1904/05 erbaut

Auf den 2. Blick überrascht Wuppertal mit seiner historischen Architektur. Wuppertal ist erst 1929 als Zusammenschluss von Elberfeld, Barmen, Vohwinkel und den umliegenden Gemeinden Cronenberg, Ronsdorf und der Ortschaft Beyenburg gegründet worden. Elberfeld und Barmen gehörten zu den Vorreitern der Industrialisierung und zu den bedeutendsten Städten Deutschlands mit Weltgeltung. So konnte sich eine qualitativ eindrucksvolle Architektur entwickeln. Nach Köln verfügt Wuppertal heute über die meisten Baudenkmäler im Rheinland-weitgehend aus dem 19.Jahrhundert. Trotz herber Kriegsverluste vor allem in der Barmer Nordstadt und der Elberfelder Südstadt sind größere Villenviertel am Brill und am Zoo erhalten geblieben, darüber hinaus kleinere Villenviertel in Vohwinkel, Solitärgebäude wie die historische Stadthalle, vor allem aber viele Mehrfamilienhäuser in Zeilenbauweise. Besonders beeindruckend ist die Kulissen gleiche Staffelung der historischen Zeilenbebauung an den Nordhängen der Stadt.

Um 1900 präsentiert sich die Architektur der Wupperstädte auf einem Höhepunkt, spiegelt den Glanz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, glüht nach im Abendrot einer vergangenen Epoche. Immer noch herrscht einiger Wohlstand und eine rege Bautätigkeit im privaten und öffentlichen Bereich. Zwischen kühner Vision und Verharren in der Tradition vollzieht sich im Wuppertal ein moderater Aufbruch in die Moderne.

Frauenkopf, Spitzwegstr.24, Vohwinkel, Foto: Kerstin Falbe u. Frank Dora, 1996

Die neuen Formen des Jugendstils finden sich vor allem in der Innenraumgestaltung und im Dekorationsrepertoire der Architektur. Einige Solitäre wie das Barmer Stadttheater von 1904/05, der neue englische Landhausstil in der Villenarchitektur und vor allem die Vielzahl der Häuser in der neuen Bergischen Bauweise nach 1900 weisen eine moderat moderne Bauauffassung auf.

Modersohn-Becker, Mädchenakt, 1907 www.von-der-heydt-museum.de

Geradezu avantgardistisch ist die Sammlungstätigkeit der beiden städtischen Museen und ihrer Mäzene. So ist die Moderne um 1900 hervorragend im heutigen Von der Heydt-Museum der Stadt Wuppertal vertreten.

Trotz der hohen Kriegsverluste und trotz der Verluste durch Modernisierungswellen vor allem nach dem 2. Weltkrieg verfügt Wuppertal immer noch über einen beeindruckenden Architekturbestand aus der Zeit um 1900.